Selbstkritik

um Himmels willen, was habe ich da vor zwei Tagen geschrieben? Das war zwar sachlich richtig, aber so hart formuliert man doch nicht im Allgäu. Der Allgäuer will gestreichelt werden, er hatte es die vergangenen Jahrhunderte schwer genug . Denken
wir nur an den Sadismus der Kempter Fürst-Äbte, die heute noch dem Weizenbier vorstehen.
Nein, der Allgäuer braucht Kririk, aber sanft, in sanfter Tonart, freilich nicht so weich, dass er einschläft. Das ist die andere Gefahr. Denn er schläft gerne ein.
Drum liebt der Allgäuer den Oberbayern so. Dieser attackiert den Allgäuer manchmal ganz unzimperlich, sagt ihm was zu tun ist, wo der Allgäuer noch dazulernen muss, will er Freund des Oberbayern werden. Mit CSU wählen allein ist es nicht getan für den Oberbayern.
Aber er gibt ihm auch Identifikationsmaterial, Anreiz, die Chance, eines Tages zum Bayern aufzusteigen. Das freut den Allgäuer, spornt ihn an bis zur Speichelleckerei.

Der andere Allgäuer, der da nicht mitspielt, der sogar den Oberbayern kritisch betrachtet, zählt natürlich zu einer absoluten Minderheit. Dieser gewissermaßen selbstbewuste Allgäuer, der im Gäu nicht viel gilt, ist oft vom Alkohol bedroht, in dem er
seinen Kummer, allein zu sein, ersäufen will.
Tja, so ist das Problem ein grundschwäbisches, man hat kein gutes Selbstegfühl, macht gern den anderen runter, schwärmt für den Oberbayern, der alles kann, der Hund, und bleibt sich treu im Mittelmaß, im Nachahmen der Möglichkeiten, die andere für sich erschufen, erkämpften. Schöpferiches traut sich der geborene Allgäuer selten zu, kämpferisch ist er von Hause aus nicht.
Drum hat ers schwer, und deshalb darf man ihn nicht erschrecken mit harter Kritik, wie ich das neulich dummerweise getan habe. Ich entschuldige mich dafür und bitte alle meine Allgäuer Stammesgenossen um Verzeihung.
ich werde in Zukunft viel sanfter zuschlagen. Versprochen.

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