Zurück in die Vergangenheit

Es ist Sonntag, kalendermässig sind wir schon im 2. Drittel des Monats Mai, aber der Sommer lässt auf sich warten, leider. Nach dem wir einen einigermaßen langen und schneereichen Winter hinter uns haben, wird unser Drang nach draußen in die Natur immer größer und so haben wir uns eine lange Liste geschrieben, was wir zukünftig an den Wochenenden machen wollen.

Viel haben wir uns vorgenommen und dennoch sind wir gerade an einen Punkt angelangt, wo wir noch darüber nachdenken, was wir wohl machen, wenn es draußen regnet. Ein Museum ist die rettende Idee, warum nicht mal wieder ein wenig in der Vergangenheit schwelgen.

Schnell wurde entschlossen, es soll doch mal das Automuseum in Wolfegg unser Ziel werden. Ludwig war schon mind. 15 Jahre nicht mehr dort und mich braucht man nicht zu fragen, ich kenne es nicht, meine Heimatwurzeln liegen ja wo anders. Aber gibt es dieses Museum auch noch ??? Toll jetzt ist Sonntag morgen und wir wissen nicht mal, ob es dieses Museum noch gibt, aber für was sind wir in unserer Zeit so gut ausgerüstet, hat doch fast jeder einen PC zu hause stehen und vor allem Internet, das wäre ja schon nicht mehr weg zu denken… wie das wohl früher war???? Jedenfalls kurz mal rein gesehen, ja es gibt dieses Museum noch und auch noch viel umfangreicher als Ludwig es in Erinnerung hatte nichts wie hin.

Schon bei der Hinfahrt schwelgen wir in Vergangenheitsgedanken. Wollen wir uns schon seelisch auf diesen Museumsbesuch vorbereiten??? Wahrscheinlich waren wir zu sehr in unseren Gedanken oder Gespräch vertieft, jedenfalls müssen wir irgendwie eine Abzweigung übersehen haben und so blieb uns nichts übrig als erst mal wieder umzudrehen und die richtige Straße zu finden. Naja die Hauptstraße war es wohl nicht, aber alle Wege führen irgendwo hin und nach einer längeren Wald und Wiesenstraße kamen wir dann doch in dem Ort Wolfegg an. Auch das Museum war schnell gefunden.

Uns erwartete Nostalgie pur. Schon beim Eintreten in die große Halle standen einige Prachtstücke an Fahrzeugen. War wohl doch eine gute Idee wofür wir uns entschieden haben. Nachdem der Eintritt bezahlt wurde und uns die Kassiererin auch noch sagte, daß wir die Karten aufheben sollten, denn es gibt noch eine 2. Halle die man damit besichtigen kann, machten wir uns auf den Weg zu den Altertümern, die Zeitzeugen die unverwüstlich schienen. Ein menschliches Bedürfnis zwang uns zwar, daß wir durch die Halle im Erdgeschoß erst mal schneller durchliefen und uns in die Kellerräume begaben wo auch im ganz hinterem Ende die Toiletten zu finden waren. Erleichtert konnten wir uns dann auch dem ganzem widmen und so begann unsere Zeitreise bei uralten Motorrädern, Schauvitrinen und überall Bilder und Erklärungstafeln an den Wänden. Fasziniert von dem was man sah, haben wir uns auch ständig unterhalten, wie es da wohl war. Komfort das war damals noch mit anderen Maßstäben gemessen worden. Immer wieder mussten wir den Kopf schütteln, daß man mit diesen Fahrzeuge sich überhaupt bewegen konnten, so klobig, wuchtig und ungelenkig erschien das alles. Vor einem alten Wagen hielten wir an, der früher mal wohl als kleines Lieferfahrzeug oder soll es ein Vorgänger von heutigen LKW`s gewesen sein. Hinten auf der Ladefläche war noch eine Holzbank drauf, die Verstrebungen waren alle aus Holz gemacht und drüber spannte sich noch eine Kunststoffplane. Alles sah so stocksteif aus so daß unsere Gedanken den alten Straßen galten, wie da da wohl inten auf dieser Holzbank durchgeschüttelt worden waren.. kaum vorstellbar.

Die Zeitreise ging weiter und während unseres Bestaunens von wunderschön restaurierten Fahrzeugen begleitete uns Musik, die überall in der Halle zu hören war. Musik die aus dieser Zeit stammte und bei vielen der Fahrzeuge waren Tafeln aufgestellt mit Texten von Liedern zu dieser Zeit.

Wir waren wieder im Erdgeschoß angelangt. Ein Fahrzeug war zu sehen, daß Hans Albers gefahren hatte und auch noch eine Lederjacke von ihm drinnen lag. Ein weiteres Fahrzeug eines berühmten Geigenspielers stand daneben.am Beifahrersitz, seine Geige. Ein Auto, daß auch ich noch aus meiner Zeit kannte war von vorne bis hinten voll mit Unterschriften von Berühmtheiten. Schlagerstars, Schauspieler, Rennfahrer, Präsidenten oder das Fürstenpaar von Monaco waren dort verewigt.

Dann ging es durch einen kleinen Hof und quer über einen Parkplatz rüber zur 2. Halle. Ein netter Herr hinter der Kasse hat uns freundlich empfangen und wünschte uns einen schönen Aufenthalt. Das hatten wir. Unsere Augen konnten sich fast nicht von diesen alten Modellen trennen, während Ludwig sofort ein großes Zelt auf einem Trabbi, ja richtig auf dem Dach des Autos war es montiert, anzog. Kaum unvorstellbar, daß man früher so auf Reisen ging, das Zelt konnte man wohl zusammenklappen bei der Fahrt, aber der Aufbau.. wir würden heute sagen, äußerst primitiv.

Dann ging es in den 1. Stock. Hier waren richtig Szenen aufgebaut. Ein kleiner, schnuckliger Wohnwagen stach uns sofort ins Auge. Da dachte man darüber nach, wie das wohl so war. Für damalige Zeiten, ein Wunder der Technik und Ausstattung. So liebevoll war alles gestaltet, ich glaube da fühlte man sich damals wie zu hause. Es war so vieles aufgebaut, daß uns sehr bekannt vor kam.

Es war wirklich ein Erlebnis dieser Besuch des Automuseums. Der ganze Weg nach Hause ließ uns in Erinnerungen schwelgen. Wie war es bei Ludwig, wie war es bei mir, welcher Unterschied zu unserer heutigen Zeit. Wir kamen auch auf die Kindheit zu sprechen und denken, daß unsere Kindheit wohl die schönste war, können die Kinder von heute noch in 30-40 Jahren davon erzählen was sie bewegt hat??? Dazu muß ich an einige Zeilen denken die mir mal jemand geschickt hat, also was zum nachdenken. Hier hab ich diesen Rückblick mal festgehalten

Genauso war das

Als Kinder saßen wir in Autos ohne Sicherheitsgurte und ohne Airbags.

Unsere Bettchen waren angemalt in strahlenden Farben voller Blei und Cadmium.

Die Fläschchen aus der Apotheke konnten wir ohne Schwierigkeiten öffnen, genauso wie die Flasche mit Bleichmittel (es gab keine Kindersicherungs-Verschlüsse)

Türen und Schränke waren eine ständige Bedrohung für unsere Fingerchen.

Auf dem Fahrrad trugen wir nie einen Helm.

Wir tranken Wasser aus Wasserhähnen und nicht aus Flaschen.

Wir bauten Wagen aus Seifenkisten und entdeckten während der ersten Fahrt den Hang hinunter, dass wir die Bremsen vergessen hatten. Damit kamen wir nach einigen Unfällen klar.

Wir verließen morgens das Haus zum Spielen. Wir blieben den ganzen Tag weg und mussten erst zu Hause sein, wenn die Straßenlaternen angingen. Niemand wusste, wo wir waren und wir hatten nicht
mal ein Handy dabei!

Wir haben uns geschnitten, brachen Knochen und Zähne und niemand wurde deswegen verklagt. Es waren eben Unfälle. Niemand hatte Schuld außer wir selbst. Keiner fragte nach Aufsichtspflicht. Kannst du dich noch an Unfälle erinnern? Wir kämpften und schlugen einander manchmal bunt und
blau. Damit mussten wir leben, denn es interessierte den Erwachsenen nicht.

Wir aßen Kekse, Brot mit dick Butter, tranken sehr viel und wurden trotzdem nicht zu dick.

Wir tranken mit unseren Freunden aus einer Flasche und niemand starb an den Folgen.

Wir hatten nicht: Playstation, Nintendo 64, X-Box, Videospiele, 64 Fernsehkanäle, Filme auf Video, Surround-Sound, eigene Fernseher, Computer, Internet-Chat-Rooms.

Wir hatten Freunde.

Wir gingen einfach raus und trafen sie auf der Straße. Oder wir marschierten einfach zu deren Heim und klingelten. Manchmal brauchten wir gar nicht klingeln und gingen einfach hinein. Ohne Termin und ohne Wissen unserer gegenseitigen Eltern. Keiner brachte uns und keiner holte uns Wie war das nur möglich?

Wir dachten uns Spiele aus mit Holzstöcken und Tennisbällen. Außerdem aßen wir Würmer. Und die Prophezeiungen trafen nicht ein: Die Würmer lebten nicht in unseren Mägen für immer weiter und mit den Stöcken stachen wir nicht besonders viele Augen aus.

Beim Straßenfußball durfte nur mitmachen, wer gut war. Wer nicht gut war, musste lernen, mit Enttäuschungen klarzukommen.